Geschichte für Senioren zum Vorlesenkostenlos zum Ausdrucken

Die Maus im Kohlekeller

Aquarell eines alten Kohlekellers mit Kohlenhaufen, Holzleiter und Glühbirne

Der herbe Geruch von Kohle und feuchtem Mauerwerk, das laute Scheppern der Schaufel im Eimer, die klamme Kühle des Steinbodens – und plötzlich eine kleine graue Maus, die über den Boden huscht. Ein kalter Novembertag im Kohlekeller, der Erinnerungen an das Heizen von früher weckt.

6 Minuten Vorlesezeit Mit Gesprächsfragen Auch bei Demenz geeignet

Vor dem Vorlesen · zwei Minuten

Zum ersten Mal hier? Eine Sternenbrise-Vorlesegeschichte ist nie nur ein Text. Hinter jeder Geschichte steht ein durchdachter Aufbau, in dem mehrere anerkannte Ansätze der Erinnerungsarbeit ineinandergreifen. Denn das meiste geschieht nicht beim Vorlesen, sondern im Gespräch danach – dort, wo Nähe und Gemeinschaft entstehen.

Was die Methode besonders macht →

Erinnerungsstücke zum Anfassen

Erinnerungsstücke sind Gegenstände, die eine Vorlesegeschichte greifbar machen. Gerüche und Berührungen erreichen das Gedächtnis oft auf kürzerem Weg als Worte allein – deshalb arbeitet die Erinnerungsarbeit mit echten Gegenständen. Leg sie bereit, bevor du beginnst, und reich sie weiter, wenn die passende Stelle im Text kommt.

  • Ein Stück Kohle oder ein Brikett – schwarz und rau, der herbe Geruch von früher. Wird im Mitmach-Moment herumgereicht.
  • Ein Stück Kernseife – der vertraute, saubere Duft, mit dem die schwarzen Hände gewaschen wurden.
  • Ein kalter Metallgegenstand – ein Schaufelstiel oder Eimerhenkel, eiskalt und glatt, wie unten im Keller.
  • Eine Wärmflasche oder ein warmes Tuch – der wohlige Kontrast zur Kellerkälte, wie die warme Küche am Ofen.

Sternenbrise Vorlese-Tipp

Diese Geschichte hat einen kleinen Schreck und viel Wärme. Lies den Moment mit der Maus lebendig und mit einem Augenzwinkern – und lass es am Ofen zum Schluss richtig behaglich werden.

Die Maus im Kohlekeller

Die kursiven Amber-Zeilen in Klammern im Text sind nur für dich – sie zeigen, wann eine Pause guttut oder welche Stimmung passt. Lies ruhig und natürlich, gib Raum für Reaktionen.

Nach der Geschichte findest du Gesprächsanregungen – diese Fragen sind der eigentliche Öffner. Es geht dabei nicht um richtige Antworten, sondern um das, was beim Erzählen wieder lebendig wird.

Lieber gleich ausdrucken? Der Download steht am Ende der Geschichte.

Liesel stand oben an der Kellertreppe und zögerte. Die Holzstufen knarrten unter ihren Füßen.

(Langsam und bedächtig)

Sie brauchte Kohlen für den Ofen. Draußen war es kalt geworden, der November stand vor der Tür. Mit dem leeren Eimer in der Hand tastete sie nach dem Lichtschalter. Die nackte Glühbirne flackerte auf und warf einen gelben, zittrigen Schein über die Wände.

Der Keller roch nach Erde und Kohlenstaub, feucht und ein wenig herb. Kühl war es hier unten, ganz anders als oben in der warmen Küche.

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Mitmach-Moment

Sprich dein Gegenüber direkt an

„Riechen Sie den Keller? So herb und feucht riecht nur alter Kohlenstaub. Fassen Sie einmal etwas Kaltes an – spüren Sie, wie klamm und kühl es im Keller war?“

Reich ein Stück Kohle oder einen kühlen Gegenstand herum. Frag danach: Wer musste bei Ihnen früher die Kohlen holen?

Solche Aktivierungen gelten in der Seniorenbetreuung als verlässlicher Weg, Aufmerksamkeit und Beteiligung zu halten. Passt es gerade nicht, überspring den Moment einfach.

Für längere Runden reicht ein Moment selten. Unsere vollständigen Vorlese-Sets enthalten mehrere Mitmach-Momente und weitere Aktivierungsübungen.

Liesel stieg die Stufen hinab. Ihre Schuhe scharrten auf dem rauen Steinboden, und mit jeder Stufe legte sich die Kühle schwerer auf ihre Arme. Die Kohlen lagen in einer Ecke, aufgeschüttet zu einem kleinen schwarzen Berg, der im schwachen Licht matt glänzte. Liesel stellte den Eimer ab und griff zur Schaufel. Das Metall des Stiels war eiskalt und glatt in ihrer Hand.

(Kurze Pause)

Sie stach die Schaufel in die Kohlen. Die Brocken polterten laut in den leeren Eimer, ein dunkles, scharfes Scheppern. Eins, zwei, drei Schaufeln. Feiner Kohlenstaub stieg auf und kitzelte in der Nase.

Plötzlich huschte etwas an ihrem Fuß vorbei. Liesel zuckte zusammen und ließ die Schaufel fallen, die scheppernd auf den Stein schlug.

(Zeit zum Nachdenken lassen)

Eine Maus. Klein und grau, mit zuckenden Schnurrhaaren und einem dünnen, rosa Schwänzchen. Sie flitzte über den Boden und verschwand hinter einer alten Holzkiste.

Aquarell einer kleinen grauen Maus, die an einem schwarzen Kohlestück schnuppert
Klein und grau, mit zuckenden Schnurrhaaren – und schon hinter der alten Holzkiste verschwunden.

Liesel legte sich die Hand auf die Brust. Ihr Herz klopfte schneller als nötig. Es war nur eine Maus. Nichts Schlimmes. Und doch standen ihr die Härchen am Arm zu Berge.

Sie bückte sich und hob die Schaufel wieder auf. Das kalte Metall beruhigte sie ein wenig. Vorsichtig spähte sie zur Kiste hinüber. Nichts regte sich. Die Maus war fort, wahrscheinlich genauso erschrocken wie sie selbst.

(Kurze Pause)

Liesel schaufelte die letzte Kohle in den Eimer. Dann nahm sie ihn am Henkel, der ihr schwer in die Finger schnitt, und ging zur Treppe. Schneller als sonst stieg sie hinauf. Die Stufen knarrten noch lauter als zuvor.

Oben in der Küche schlug ihr die Wärme entgegen, weich und wohlig nach der Kellerkälte. Sie stellte den Eimer neben den Ofen. Ihre Hände waren schwarz vom Kohlenstaub, und sie wusch sie am Spülstein. Das Wasser war eisig, doch die Seife roch nach Kernseife, sauber und vertraut.

(Zeit zum Nachdenken lassen)

Durch das beschlagene Fenster sah sie ihren Nachbarn vorbeigehen, Herrn Weber, auf dem Weg zum Bäcker. Sie klopfte an die Scheibe und winkte, und er hielt inne. Sie öffnete das Fenster einen Spalt; kalte Luft strich herein. „Herr Weber! Bei mir im Keller sitzt eine Maus!“ Er lachte. „Nur eine? Bei mir sind es bestimmt drei.“ Liesel musste lachen. „Na, dann bin ich ja noch gut dran.“ Sie schloss das Fenster wieder, damit die Kälte draußen blieb.

(Lächelnd vorlesen)

Liesel öffnete die Ofenklappe. Die alten Kohlen glühten noch schwach, rot und orange in der dunklen Glut. Sie schüttete die neuen nach. Das Feuer fauchte leise, knisterte und flackerte auf. Eine Welle Wärme strömte heraus und strich ihr übers Gesicht.

Sie zog sich einen Stuhl heran und hielt die kalten Hände an die warme Ofentür. Draußen fiel das erste graue Licht des Nachmittags, und im Ofen sang das Feuer sein leises, knisterndes Lied.

Jetzt beginnt das Gespräch

Nach dem Vorlesen einen Moment Stille. Dann diese eine Frage:

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an den herben Geruch von Kohle und feuchtem Kellermauerwerk denken?

Wenn Sie weiter in die Tiefe fragen möchten:

Wie wurde bei Ihnen oder in Ihrer Familie früher geheizt, und wer war fürs Kohlenholen zuständig?

Welche Vorräte oder Dinge wurden bei Ihnen oder in Ihrer Familie unten im Keller aufbewahrt?

Welches Gefühl löst es in Ihnen aus, aus einem kalten, dunklen Raum zurück in eine warme Stube zu kommen?

Wenn diese kleine graue Maus erzählen könnte, wie der Keller aus ihrer Sicht aussieht – was würde sie wohl berichten?

Eine Frage zu stellen ist leicht. In die Tiefe zu fragen und jemanden wirklich ins Erzählen zu bringen, ist mitunter schwer. Hilfestellung zur Gesprächs- und Frageführung findest du in unserem Gesprächsleitfaden.

Die Sternenpost

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Mitmach-Momente und Aktivierung
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Gesprächsfragen
die dein Gegenüber ins Erzählen bringen

Auf Grundlage der Erinnerungsarbeit
aufgebaut nach anerkannten Prinzipien

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Die Wissenschaft hinter dem Ansatz

Warum gemeinsames Erinnern so wertvoll ist

Diese Geschichten bauen auf der Erinnerungsarbeit auf – einem Ansatz, dessen Wirkung auf das Wohlbefinden älterer Menschen vielfach untersucht wurde.

Gut für die Kommunikation

Ein Cochrane-Review – eine der strengsten Formen der Forschungsauswertung in der Medizin – aus 22 kontrollierten Studien sieht Hinweise auf bessere Kommunikation und Stimmung.

Woods et al., Cochrane, 2018

18.177 Menschen untersucht

Die bislang größte Übersicht aus 246 Studien deutet darauf hin: Erinnerungsarbeit kann Selbstwert, Austausch und Teilhabe stärken.

Jiao et al., BMC Geriatrics, 2025

Kann Einsamkeit lindern

Eine Meta-Analyse von 2025 legt nahe, dass Erinnerungsarbeit das Gefühl von Einsamkeit bei älteren Menschen deutlich verringern kann.

Yang et al., Age and Ageing, 2025

Gut für die Stimmung

42 Studien mit 3.361 Teilnehmenden legen nahe, dass Erinnerungs- und Lebensrückblick-Arbeit die Stimmung im Alter heben kann.

Lin et al., Journal of Affective Disorders, 2024

Die genannten Studien beziehen sich auf den Ansatz der Erinnerungsarbeit, nicht auf diese Geschichten. Die Forschung zeigt überwiegend positive, teils unterschiedlich starke Effekte. Sternenbrise-Geschichten sind Vorlesegeschichten und kein medizinisches Behandlungs- oder Heilmittel.

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Keine Geschichte entsteht zufällig.

Vorlesen ist der Anfang, das Gespräch ist das Ziel. Deshalb folgt der Aufbau jeder Geschichte den Prinzipien der Erinnerungsarbeit und Empfehlungen der Kognitionsforschung: kurze Absätze, klare Sätze, eingebaute Pausen und gezielte Sinnesreize – abgestimmt auf die Aufmerksamkeitsspanne älterer Zuhörender.

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Kein medizinisches Angebot oder Heilmittel, kein Therapieersatz.